Im Frühtau in den Alpensee stechen, anstatt dem Berg zu zu gehen, wie es das alte Wanderlied besingt: Das ist jetzt an der Grenze zwischen den Berner und den Walliser Alpen möglich. Der Walliser Marco Haenni eröffnete auf diesen Sommer eine Segelschule auf dem Daubensee. "Es ist die höchstgelegene Europas", betont der Sportlehrer. Bevor er auf dem Daubensee zu segeln begann, har der Mann, der im Winter in Champéry und Leukerbad eine Schneesportschule betreibt, in Italien Segelunterreich gegeben.
Touristiker freuts
Im Wallis sin die Touristiker Feuer und Flamme für das neue Projekt. "Wir begrüssen diese attraktive Sportart", sagen sowohl Martin Loretan, Gemmibahnpräsident, wie Christian Billau, Leiter Events von Leukerbad Tourismus. Marketingleiter David Kestens betont, dass Segeln als "Natursport schlechthin" gut auf den grössten natürlichen See des Kantons Wallis passe. "Anders wärs bei irgendeiner Form von Motorsport, etwa Quads oder Motorboote. Da hätten wir uns gewehrt".
Jerun Vils, Präsident von Lötschberg Tourismus, beurteilt das neue Angebot nüchtern. "Unsere Gäste sind vor allem Wanderer, die unberührte Natur und Ruhe suchen", sagt er. "Solange das Angebot dies nicht beeinträchtigt und es mit dem Naturschutz vereinbar ist haben wir sicher nichts dagegen."
Strenge Auflagen
Um sein Angebot zu lancieren, hat Marco Haenni strenge Auflagen erhalten. So sind nur zwei Boote zugelassen, und die Bootsstation ist kein fixer Bau, sondern eine kirgisische Jurte. "Die wird Ende Saison demontiert", betont Haenni. Eine Saison, die kurz sein kann. "Wenn es kalt wird, sinkt der Wasserpegel sehr schnell, weil der See nur von Gletscherwasser gespiesen wird."
Zuständig für die Bewilligung für die Segelschule ist im Wallis die Dienststelle für Strassenverkehr und Schifffahrt. "Wir immatrikulieren zum einen die Schiffe", erklärt der stellvertretende Dienstchef Bruno Abgottspon "Damit sind diese dann für den Betrieb auf Schweizer Gewässern zugelassen." Im speziellen Fall musste die Dienststelle aber auch noch den Betrieb der Schiffsvermietung gutheissen. "Das haben wir getan, weil die gesetzlichen Auflagen erfüllt sind und sich die Gemeinde dafür aussprach", sagt Abgottspon, "allerdings mit der Beschränkung auf zwei Schiffe".
Schiffe kamen geflogen
Knackpunkt war im Vorfeld unter anderem der Transport der Schiffe auf 2200 Meter über Meer. Haenni liess sie mit einem Puma-Helikopter hochfliegen - ähnlich wie die berühmte Alinghi in den Genfersee, nur mit weniger Medienrummel. "Grundsätzlich darf eine Heli-Firma alles transportieren, was betreffend Gewicht und Volumen den Vorgaben der Betriebsbewilligung entspricht" sagt Philipp Imboden, Einsatzleiter bei der Air Zermatt.
Die Segelausbildung, die er anbietet, sei für jedermann geeignet, betont Haenni. Ein Hauptgewicht möchte er mit seinem Angebot aber bei Firmen legen; hat er doch neben der Segelausbildung an sich noch diverse Zusatzangebote im Köcher. "Diese sind etwa für Manager interessant", ist er überzeugt.
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Quelle: Thuner Tagblatt, Dienstag 28. Juli 2009