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Altes Schiff wird wieder wie neu

Hani-Reutigen: Älteste Thunersee-Segeljacht wird restauriert

Ein 120-jähriges Segelschiff wird in der Archimedes-Werft von Markus Hösli im Hani vollständig erneuert. Die Regattajacht wird im Frühjahr dann wieder mit dem Spiezer Eigner Werner Plüss auf dem Thunersee kreuzen.

Seit kurzem steht in der Werft von Markus Hösli im Hani-Reutigen die wohl älteste Segeljacht des Thunersees und soll fachgerecht restauriert werden. Der Voreigner, ein Luzerner Geschäftsmann, hatte es bereits 1972 mit einem Aufwand von viertausend Stunden renoviert. Eine Inspektion hat nun aber ergeben, dass eine gründliche Sanierung nötig ist, weil Eisenteile verrostet und Planken am Verfaulen sind.

In Berlin gebaut
Der 40-Quadratmeter-Schärenkreuzer wurde 1890 als Jacht gebaut und für Regatten - wohl auf dem Wannsee - eingesetzt. Erbauerin war die Papstwerft in Köpenick bei Berlin, und das Boot hiess ursprünglich "Saga", wie Eigner Werner Plüss auf einem alten Baumwollsegel entdeck hat. Heute trägt das Schiff den Namen "Le Caid", der von einem Stern namens "Alkaid" hergeleitet sein soll.
Das Boot ist aus traditionellen Materialien gefertigt. "Der Kiel und die Bodenwrangen bestehen aus Eiche, die Schale aus Mahagoni und die Spanten aus Akazienholz, das sich zum Dampfbiegen besonders gut eignet", weiss der gelernte Bootsbauer Hösli.
Wrangen sind übrigens die Querverbindungen, welche die beiden Schalenhälften stabil halten. Die Kabine ist mit zwei Pritschen ausgerüstet.
Bis jetzt sind das Deck, die Beschläge und die 96 Spanten entfernt worden. Als Nächstes werden ein vier Meter langes Stück des Kiels und zehn Bodenwrangen ersetzt. Anschliessend wechselt Markus Hösli mit Werner Plüss faule Planken aus. Dann setzt Markus Hösli Hand und mit Kupfernieten 96 neue im Dampf gebogene Spanten ein. "Anschliessend bauen wir ein weiteres konstruktives Element ein, das sogenannte Kielschwein, welches den Mast trägt", erklärt der Bootsbauer.
Als Letztes wird das Deck wieder aufgesetzt und mit Teakholz belegt. Im Frühjahr wollen Eigner und Bootsbauer mit der Arbeit fertig sein. Beide werden bis dahin je tausend Stunden in das Werk gesteckt haben. Markus Hösli schätzt die Gesamtkosten für die Renovation auf "einen höheren fünfstelligen Betrag".

Physiker und Segler
Wie ist Werner Plüss zu diesem Schiff gekommen? Der Eigner des Schiffes dazu: "Ich habe schon früher ein Boot besessen, es dann aber verkauft", erzählte der Spiezer. "1984 hat mir ein segelbegeisterter Schüler ein Inserat gezeigt, in welchem der Schärenkreuzer vom Verkauf angeboten wurde. So bin ich dann nach Kastanienbaum an den Vierwaldstättersee gefahren, und da hat es mir eben den Ärmel wieder hineingenommen", schmunzelt Plüss. Seit dieser Zeit kreuzt die Jacht nun auf dem Thunersee.
Und weshalb ist Werner Plüss für die aufwändige Restauration gerade auf Markus Hösli gekommen? "Die Kompetenz für die Restaurierung traditioneller Holzschiffe durch die Archimedes-Werft hat sich in den letzten zehr Jahren herumgesprochen", so Plüss. Zudem wurde das Schiff 1998 bereits von Markus Hösli und Aaron Teuscher in der damals neu eröffneten Werkstatt am Heck saniert. Wohl auch etwas Nostalgie hat Plüss nach Reutigen gelockt: Als der studierte Physiker noch Lehrer am Gymnasium Interlaken war, wohnte er eine Zeit lang im Reutiger Lehrerhaus. "Und ich habe früher einmal geholfen, den Hockey-Club Reutigen zu gründen", so der sportliche Exlehrer.

Quelle: Thuner Tagblatt, Dienstag 6. Januar 2009 - Thuner Tagblatt

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