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Das Abtauchen ist seine Passion

Keiner kennt den Thunersee uns seine Tiefen besser als Bill Haueter. Der 60jährige Spiezer ist Berufstaucher, Erbauer eines U-Bootes und eines innovativen Unterwasser-Roboters. Im Thunersee taucht er seit 42 Jahren.

Die kompakte Kiste wiegt 32 Kilogramm und sieht von weitem aus wie ein Generator. Die "Kiste" bezeichnet Bill Haueter als "Sea Box". Der Berufstaucher aus Spiez hat sie erbaut. Der braun gebrannte Mann mit dem grauen Bart schmunzelt, als er das Gerät im Schatten des Spiezbergs mit beiden Händen über den Bootsrand in den See hievt. "So muss ich nicht ins Fitnesscenter", sagt Haueter. Vor fünf Jahren begann er die "Sea Box" zu bauen, und 2004 liess er sie erstmals zu Wasser. Heute sind wieder einmal Testfahrten angesagt. "Tauchroboter sind die Zukunft", meint er. Er gibt seiner "Sea Box", die nun im Wasser dümpelt einen leichten Ruck. Die Vertikalschraube beginnt zu drehen; der rotweisse Roboter sinkt langsam in die Tiefe und verschwindet im trüben Türkis des Sees. Sein Erbauer steuert ihn über Joysticks mit routinierter Hand. Auf dem Kopf sitzt eine futuristisch anmutende Brille mit eingebautem Monitor. Die hochauflösende Bordkamera liefert ein einwandfreies Bild von der "Sea Box" herauf, die über ein langes gelbes Kabel mit dem Boot verbunden ist. Zu sehen ist allerdings nur trübes Blau-Grün-Grau. Die Sichtweite beträgt hier gerade mal 60 Zentimeter. Der steil abfallende Unterwasserhang des Spiezbergs kommt erst im letzten Moment ins Blickfeld der Kamera, als der Roboter schon fast mit dem Geröll kollidiert.

Vielseitig einsetzbar

„Alles O.K,“ Der Berufstaucher, Roboter- und U-Boot-Bauer nickt. Das neu eingebaute, leistungsstärkere Netzteil, das der innovative Tüftler in den Roboter eingebaut hat und das er nun erstmals den besonderen Bedingungen unter Wasser aussetzt, scheint einwandfrei zu funktionieren. Während rund 30 Jahren hat Bill Haueter verschiedenste Unterwasser-Roboter gesteuert. „Alle hatten ihre Vor- und Nachteile.“ Deshalb beschloss er kurzerhand, selbst einen zu bauen, möglichst perfekt auf die Bedürfnisse seines Berufs ausgelegt. Herausgekommen ist dabei ein ferngesteuertes Tauchgerät mit Lasermesssystem, Kompass, Tiefenanzeige, Kamera und jeder Menge montierbarem Spezialgerät; Messsonden, zusätzliche Kameras, Greifer und vieles mehr.
Gerät der Zukunft
„Geräten wie diesen gehört die Zukunft, weil sie unter Wasser viel länger und in viel grösserer Tiefe arbeiten können als jeder Taucher“, erklärt Bill Haueter, der seit 42 Jahren professionell taucht. „Zudem lassen sich Tauchroboter auch da einsetzen, wo es für Menschen zu gefährlich wird.“ Doch das Steuern sei sehr anspruchsvoll. Gutes räumliches Vorstellungsvermögen sei unerlässlich, um nicht die Orientierung zu verlieren. „Daher eignen sich erfahrene Berufstaucher am besten zu Steuerung eines solchen Roboters“.
Plötzlich wird es auf der Monitorbrille schwarz. Die Kamera ist ausgefallen. Haueter bleibt ruhig. Genau deshalb mache er die Tests, sagt er. Damit solche Ausfälle nicht den „Ernsteinsatz“ behindern. „Selbst bei einem totalen Ausfall schwebt das Gerät allmählich an die Oberfläche, weil es ganz wenig leichter ist als das Wasser.

„Bellevue“ entdeckt

Bill Haueter ist einer von nur zehn gelernten Berufstauchern in der Schweiz und deshalb en gefragter Mann. Doch es kommt auch vor, dass er bei Anfragen – sei es für Such- und Bergungsaktionen oder Forschungs-, Kontroll- und Bauarbeiten – manchmal auch Nein sagt. „Zum Beilspiel, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist“, so Haueter.
Hohe Wellen warf eine Entdeckung, die er im Winter 1991/1992 vor der alten Ländte Oberhofen machte. Auf einer Tauchfahrt mit seinem U-Boot sichtete er in 124 Metern Tiefe das Wrack der „Bellevue“, des ersten Thunersee-Dampfers, der im Jahr 1864 in einem Sturm gesunken war.
Nachdem Bill Haueter die „Sea Box“ zur Untersuchung an Bord geholt hat, funktioniert die Kamera plötzlich wieder. Der Roboter wird ein zweites Mal ins Wasser gelassen. Wasser ist klar das Element des 60-Jährigen: „Wir kommen aus dem Wasser und bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Wasser.“

„Erzwungene Meditation“

Tauchgänge sind für ihn zwar einerseits Routine. Andererseits geht er bei jedem Tauchgang buchstäblich „in die Tiefe“. Auch wenn jede Arbeit, jeder Griff, jede Bewegung unter Wasser volle Konzentration erfordert, bleibt doch viel Zeit zum Nachdenken. „Eine Art erzwungenen Meditation.“ Zufrieden hievt Bill Haueter die „Sea Box“ ein zweites Mal an Bord. Diesmal hat alles einwandfrei funktioniert. Zeit, den Anker zu lichten und in den Spiezer Hafen zurückzufahren. Nicht jeder Einsatz muss 14 oder mehr Stunden dauern.
U-Boot Thunersee – Das einzige seiner Art
Das einzige private und zugelassene U-Boot der Schweiz ist am Thunersee stationiert. Seit 18 Jahren kann Bill Haueter mit seinem selbst gebauten U-Boot Forschungs- und Bergungsarbeiten in sämtlichen grösseren Seen der Schweiz und in ganz Mitteleuropa durchführen. „Sea Rover“ nennt er sein Gefährt das Platz für zwei Personen bietet und bis 400 Meter tief tauchen kann. Nach einer sechsjährigen Planungs- und Bauzeit kam die rund zwei Tonnen schwere „Sea Rover“ 1994 im Thunersee erstmals zum Einsatz

Quelle: Thuner Tagblatt, Mittwoch 19. August 2008 - Thuner Tagblatt Sommerserie 2008 - "Leben auf dem See"


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